Sonntag, 22. November 2009Das Schweigen der LemmataIch huste mir daheim zwar einen ab, aber es handelt sich nur um die geräuschvollen Nachwirkungen eines gewöhnlichen viralen Infektes, und nicht um irgendein H?N?. Das ist gut. Trotz Rotz und Keuch habe ich dem Jochen Reinecke von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein paar Fragen betreffend Wikipedia beantwortet, und die sind heute ebenda unter dem schamlos verbalsadistischen Titel "Das Schweigen der Lemmata" veröffentlicht worden. Da ich heute nicht Zug fahre, kenne ich den Inhalt der FAS leider nicht, aber in Absprache mit Herrn Reinecke drücke ich meine Antworten auf seine Fragen auch noch mal hier direkt ins Blog. Wenn's Gelalle ist, schieb ich auf's Fieber. :-) Update: Die FAS-Version der beiden Interviews im Planckton-Blog der FAZ, und den Artikel findet man mittlerweile online in der Web-FAZ. Jochen Reinecke: "In einem Satz: Was bedeutet die Wikipedia für Sie?" Kristian Köhntopp: Ich habe in meinem Browser Kürzel für Suchfunktionen - ''wp suchwort' wird zu einer Suche auf der englischen Wikipedia und 'wpd suchwort' zu einer Suche auf der deutschsprachigen Wikipedia. Das bedeutet, daß Wikipedia wie die anderen Suchkürzel in meinem Browser beim Arbeiten, Fernsehen oder was ich sonst so am Rechner mache allgegenwärtig und niemals weiter als eine Kommandozeile entfernt ist. Ich habe noch einen Brockhaus in 30 Bänden im Regal, aber ich weiß, daß ich in den vergangenen 10 Jahren vielleicht zwei Dutzend mal dort etwas nachgeschlagen habe. Auf der anderen Seite sagt mir meine Browser-History, daß ich alleine heute schon mehr als 12 Wikipedia-Suchen mit wp oder wpd gefahren habe. J: Die Relevanzdiskussion in der Wikipedia hat weite Kreise gezogen. Hat Sie die Heftigkeit der Reaktionen aus allen Schichten (Admins, Blogger, Autoren, Nutzer) überrascht? K: Ich bin in der Wikipedia-Hierarchie beinahe ein reiner Nutzer, und über die Artikel in Fefes Blog in diese ganze Sache hereingezogen worden. Zwar habe ich seit mehr als fünf Jahren einen Wikipedia-Login, aber ich habe nur sehr wenige kleine Änderungen gemacht. Von den internen Strukturen der Wikipedia und der Aktivität hinter den Seiten habe ich vor dieser Diskussion eher wenig mitbekommen. Ich glaube, das geht den meisten Menschen so. Wikipedia wird meistens 'vertikal' genutzt - 'wpd Fachbegriff', den Artikel lesen und weg. Auf der Artikelseite lesen die meisten Menschen auch nur den Artikeltext - die Quellennachweise und Belege am Ende sind aus dem Blickfeld gerückt, kleiner gesetzt und nicht sehr direkt an den Artikel gebunden. Personen treten gar nicht auf, die Diskussionseite ist versteckt und es ist nicht erkennbar, welche Passagen des Artikels umstritten sind oder waren oder daß es so etwas wie Streit um bestimmte Passagen im Artikel überhaupt gegeben hat. In Wikipedia treten Personen hinter Artikel zurück und Diskussionen in der Wikipedia haben wenig Prominenz außerhalb - die Begriffe Inklusionist und Exklusionist sind mir jedenfalls vor der Diskussion nicht geläufig gewesen. Insofern ist diese Diskussion für mich wahrscheinlich genau so neu gewesen wie für die meisten Gelegenheitsbenutzer. J: Halten Sie selbst eher eine inklusionistische oder exklusionistische Herangehensweise für sinnvoll? K: Ich bin, glaube ich, formal einem gemäßigten inklusionistischen Lager zuzurechnen. Spam und Tastaturtests haben in der Wikipedia klar nichts zu suchen, aber wenn ein Artikel eine gewisse, eher niedrige Mindest-Entwicklungsstufe hat, dann sollte er meiner Meinung nach erhalten bleiben. Ich halte es aber für dringend notwendig, Reife und Qualität eines Artikels auch für den Laien direkt erkennbar zu machen. Wikipedia ist heute klar eine Enzyklopädie, die sich am Modell traditioneller Holzenzyklopädien orientiert. Das ist sicher auch den verschiedenen Lexika-Tests von vor 5 Jahren geschuldet, in denen sie an Brockhaus, Encarta und der Britannica gemessen wurde. Damals hat sicher eine Menge Druck auf die Wikipedia-Autorengemeinschaft gewirkt, und die exklusionistische Kultur ist sicher auch auf das Wettrennen um Qualität aus dieser Zeit zurückzuführen. Diese Zeiten sind nun insofern vorbei, als daß die meisten dieser Holzenzyklopädien pleite sind, oder auf der Suche nach einem Internet-Geschäftsmodell. Für Wikipedia ist es meiner Meinung nach nun Zeit, diese hinter sich zu lassen und in etwas zu verwandeln, das eine Holzenzyklopädie nicht sein kann. J: Glauben Sie, dass sich die aktuellen Probleme eher organisatorisch oder technisch lösen lassen? K: Als ob man das so sauber trennen könnte. Wikipedia braucht eine andere Ausrichtung und daher auch andere organisatorische Strukturen, aber dann natürlich eine Technik, die das unterstützt und eine Benutzerinterface, das korrektes und erwünschtes Verhalten ermutigt und erleichtert. Zur Zeit haben wir in der produktiven Wikipedia Strukturen, die das Gegenteil tun. Wikipedia-Seiten sind anonym und sehen inert aus - für den Gelegenheitsnutzer ist in der Standardansicht nicht erkennbar, ob Teile einer Seite schlecht belegt sind, ob Teile einer Seite umstritten sind oder waren. Es wäre leicht, einen Zeitstrahl auf jeder Artikelseite zu generieren, der visualisiert, zu welchen Zeitpunkten sich Änderungen an einem Artikel gehäuft haben. Es wäre auch leicht, neben einem Artikel einen Änderungsbalken zu malen, der zeigt, an welchen Passagen eines Artikels sich Änderungen gehäuft haben und dort die entsprechenden Benutzer zu verlinken. Es wäre leicht, die Autoren, die an einem Artikel beteiligt waren, mit ihren Benutzer-Icons an einem Artikel zu verlinken. Auf diese Weise wäre nicht nur für einen Gelegenheitsnutzer erkennbar, wie ausgereift oder stabil ein Artikel ist, sondern Wikipedia könnte auch ein Gesicht bekommen. Man könnte erkennen, daß jede einzelne Seite ein Produkt von Mitgliedern einer Gemeinschaft ist. Ich halte das für wichtig - es macht es leichter für einen Anwender, einen Artikel zu hinterfragen oder Artikelqualität auf einen Blick erkennen zu können. Es macht Wikipedia auch zugänglicher und motiviert vielleicht mehr Leute, sich konstruktiv an der Weiterentwicklung der Wikipedia zu beteiligen. J: Haben Sie bisher Lösungsansätze von außen gehört, die einen Ausweg aus dem Dilemma zeigen könnten? K: Ich habe inzwischen gelernt, daß es in Wikipedia selbst eine ganze Reihe von Diskussionen, experimentellen technischen Hilfsmitteln und Alternativvorschlägen gibt, wie auch die Diskussion zwischen Exklusionisten und Inklusionisten schon seit vielen Jahren läuft, jedoch ohne Ergebnisse zu haben oder Veränderungen zu bewirken. Auf eine Weise dümpelt Wikipedia vor sich hin: Was bisher gefehlt hat, war ein Anlaß sich zu verändern. Die Diskussion um den MoGIS-Artikel, die Felix von Leitner losgetreten hat, und ihre Folgen sind vielleicht in der Lage, diesen Anlaß zu liefern. Das würde den Initiativen zur Weiterentwicklung in der Wikipedia eine gemeinsame Richtung und die notwenige Motivation zu geben, und Wikipedia könnte über Holz-Enzyklopädien hinauswachsen. Damit meine ich weniger eine technische Entwicklung, als vielmehr eine Weiterentwicklung in der Art und Weise wie wir Erkenntnis vermitteln oder den Grad an gesicherter Wahrheit visualisieren, der in einem Lexikon-Artikel steckt. Darum geht es bei der ganzen Debatte Inklusionisten vs. Exklusionisten ja im Kern: Die Exklusionisten möchten alles aus der Wikipedia heraushalten, was nicht durch Belege von reputablen Veröffentlichungen belegbar ist - am Besten mehrfach. Ihnen ist Unanfechtbarkeit wichtiger als Umfang. Dem Inklusionisten ist dagegen Umfang oder Abdeckung wichtiger als Unanfechtbarkeit oder Belegbarkeit. Meine Position ist eher die eines Inklusionisten, aber ich halte die exklusionistische Position für wichtig und wertvoll. Ich glaube nur, daß man das nicht so schwarzweiß sehen sollte, wie es in der derzeitigen Kultur der Wikipedia diskutiert wird. Artikel werden immer unterschiedliche Qualität haben, aber auch in qualitativ schlechten Artikeln steckt oft schon die Information, die ich grade suche - und wenn es nur die Bestätigung ist "Dieses Konzept gibt es" und "Hier sind weitere Googleworte zum Thema für Dich". Eine Visualisierung von Qualität, Quellenlage und strittigen Passagen finde ich aber enorm hilfreich und wichtig. Das macht Abstufungen zwischen Löschen und Behalten möglich und erlaubt eine viel differenziertere Auseinandersetzung. J:Sehen Sie die Gefahr, dass die Wikipedia aufgrund ihrer schlichten Größe und damit letztlich auch Vielzahl der Mitglieder an Diskussionen dieser Art zerbrechen kann? K: Ich grinse. Ausgehend von den Diskussionen in der Wikipedia, die mir bekannt sind, besteht diese Gefahr nicht einmal entfernt. Bei allem akademischen Eifer und Elan, der in diese Diskussion fließt, habe ich dennoch den Eindruck, daß alle Parteien an derselben Sache arbeiten - und das ist Wikipedia zu einer noch besseren Wissensquelle zu machen und eben hoffentlich auch, diese Qualität nachvollziehbar darstellbar zu machen. Wikipedia wirkt anonym und entpersönlicht, wenn man sie nur benutzt und nicht mitarbeitet. Aber da sind viele hundert engagierte Einzelpersonen hinter den Kulissen am Zusammenarbeiten. Wikipedia ist nur enorm schlecht darin, diese Personen sichtbar zu machen und die Diskussionen zwischen diesen Personen und den Gruppierungen, die sich da gebildet haben, sichtbar zu machen. Wir haben hier ein ständiges Ringen um Wissen, um Korrektheit, um Abdeckung und um Quellen. Nichts davon ist im Produkt unmittelbar erkennbar. Das ist schade, denn es ist wichtige Information, die bei der Bewertung von Artikeln genauso hilfreich ist wie dabei, diese Leute zu motivieren. J: Könnte hier eine Art oberster "Chef" oder "Geschäftsführer" mit Entscheidungsgewalt helfen? K: Keinesfalls. Wikipedia ist eine Gemeinschaft, und Motivation genau wie Entscheidungen müssen von innen heraus kommen und von einer stabilen Mehrheit getragen werden - welchen Grund gibt es denn sonst, dort mitzuarbeiten, wenn nicht persönliche Überzeugung und den Willen, persönlich daran mitzuarbeiten, die Welt an einer Ecke in einen besseren Ort zu verwandeln? Wikipedia kann man nur anführen, indem man überzeugt, nicht indem man kommandiert. Nichts anderes wird dem Projekt und seinem Geist gerecht. J: Angenommen, es gäbe die Wahl zwischen einer rein inklusionistischen und hart exklusionistischen Gangart: Welche Chancen und welche Risiken würden diese beiden Gangarten bergen? K: Die Frage ist meiner Meinung nach unsinnig, und dem Verbleiben in der Denkweise einer Holzenzyklopädie geschuldet. Die ganze Debatte läuft in der Wikipedia selbst schon seit Jahren, und wenn man eine Lösung wollte, dann muß man die ganze Frage endlich transzendieren und Wege finden, die Ziele der beiden Gruppieren klar und positiv zu formulieren und dann innerhalb desselben Systems zu befriedigen. Das geht. Unterschiedliche Visualisierungen derselben Daten, Anzeigefilter, die Artikel unterhalb einer Qualitätsschwelle unterdrücken oder gar unterschiedliche Websites auf demselben Datenbestand sind ja technisch überhaupt kein Problem. Der ganze Konflikt besteht doch nur, wenn man meint, es gäbe eine Wahrheit, den Prozeß des Ringens um diese Wahrheit aber nicht darstellt oder nicht darstellen will.
Geschrieben von Kristian Köhntopp
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um
14:12
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Ich finde es sehr lustig, dass du einen starken Punkt total ignorierst und gar nicht dastellst. Der inklusionistische Ansatz hat ein starkes Problem: Irgendwann überhebt man sich und kann gar nicht mehr überhaupt alles nachprüfen, was geschrieben wird. Erinnert sich noch einer an den Artikel über den zeitgenössischen Journalisten, der angeblich JFK ermordet hat? Die englische WP fährt einen weit inklusionistischeren Ansatz. Und da ist die Faktenkontrolle schlicht nicht möglich. Wirst DU das dann in der deutschen WP übernehmen? Andersrum geht die exklusionistische Position davon aus, daß ihr Ansatz engagement-neutral ist. Das ist sie nachgewiesenermaßen nicht - lies die Stellungnahmen und Kommentare zu Communitygift zu diesem Thema: Ein Haufen Leute macht sich nicht einmal mehr die Mühe, auch nur das kleinste bischen Korrektur zur Wikipedia beizutragen, weil sie auf Grund vorhergehender Erfahungen davon ausgehen müssen, daß ihr Edit sowieso reverted wird. Wenn man massenhaft potentielle Mitarbeiter verprellt, hat man natürlich Personalknappheit und endet dann am Ende mit einer Bunkermentalität, die das erreichte bewahren will, anstatt das ganze System weiter zu entwickeln. Das ist ja genau der Punkt, auf den ich mit dem Interview abhebe. Es geht darum, endlich die Holzenzyklopädie zu transzendieren, zuzugeben, daß Artikelqualität nichts digitale (löschen vs. behalten) ist und sogar innerhalb eines Artikels unterschiedliche Qualitätsgrade herrschen. Wie können wir das visualisieren? Hätten wir ein semantisches Web, könnten wir Sätze im Artikeltext direkt an die entsprechenden Passagen der Belegstellen ketten. Wir könnten immerhin innerhalb der Wikipedia Belege an Aussagen ketten, die belegt werden und so innerhalb eines Artikels belegte und unbelegte Aussagen in einer besonderen Artikelansicht visualisieren. Genau so können wir Edits an editierte Aussagen binden, schon heute, und so umstrittene Passagen darstellen, oder aktive Passagen - beide Informationen kann man aus der History leicht herausparsen. In einer Artikelansicht kann man dann auf einen Blick erkennen, ob und welche Teile des Artikels stabil und welche neu oder umstritten sind. Genau so können wir Autoren an Artikel oder Passagen in einem Artikel binden und so über Reputation der Autoren Vertrauenswürdigkeit in eine subjektivere Metrik gießen. Das setzt auf der exklusionistischen Seite voraus, zu akzeptieren, daß Wikipedia halt nicht 'die Wahrheit' dokumentiert und nicht inert ist, sondern daß Wikipedia 'das Ringen um die Wahrheit' dokumentiert und den jeweils aktuellen Stand in diesem Ringen abbildet. Mit einer Metrik, wie heiß das Schlachtfeld noch ist. Und wenn man einen Schwellwert definiert und alle Artikel unterdrückt, die diesen Schwellwert nicht erfüllen, dann hat man Exklusiopedia oder Reliapedia, je nach persönlicher Überzeugung, aber ohne Arbeit anderer Leute oder Information wegzuschmeißen. Schrecken falsche Informationen, zusammengestoppelte Faktenschnippsel nicht ab? Zudem ein logischer Fehler: Wenn Leute sich über Reverts ihrer Korrekturen beschweren, kann es nicht um Exklusionismus handeln. wenn Infoschnipsel abschrecken, dann nur durch ihre Darbietung. Über solchen Artikeln kann dann eben stehen "stub" oder "unverifiziert" oder wasauchimmer und eine Einladung zum weiterverbessern. Wer solche Shnipsel nicht sehen will, der müßte eben auf die entsprechenden Stichworte/Qualitätslevel filtern können. Warum nicht Bewertungskriterien (Vollständigkeit, Quellenlage etc.) vergeben und jeder darf sich abweichend von einer vorgegebenen default-Schwelle die Grenzwerte der ihm ausgefilterten Artikel selbst legen. Voten für die Kriterien darf dann jeder (angemeldete) und wie bei der imdb oder so kommt dann da ein Ranking raus und eine Hierarchie. Mitmacher werden durch Bonuspunkte belohnt und können ihr Logo neben ihren Artikel platzieren usw. usf... Schlechte Infolage ist per se doch keine Abschreckung, wenn richtig dargestellt und eingebettet. Ganz im Gegenteil - da können sich Leute am schnellsten ihre Bonuspunkte verdienen. Hängt ganz von der Implementierung ab... "Warum nicht Bewertungskriterien (Vollständigkeit, Quellenlage etc.) vergeben und jeder darf sich abweichend von einer vorgegebenen default-Schwelle die Grenzwerte der ihm ausgefilterten Artikel selbst legen." Ganz einfach: Weil das auf einer Größe wie Wikipedia einfach nicht skaliert - weder könnten Artikel zuverlässig einsortiert werden, noch könnten Gelegenheitsnutzer dieses Feature kompetent verwenden. Ich mag das Slashdot-System ja auch - aber es funktioniert halt nur in einem sehr begrenzten Rahmen und auch nur sehr eingeschränkt. Wer nach zwölf Stunden kommentiert, kann eine nobelpreiswürdige Antwort verfassen - er wird dennoch höchstwahrscheinlich nicht mehr wahrgenommen.
#1.1.1.1.1
Torsten
am
24.11.2009 16:04
(Reply)
ich bin nicht so der Skalierungsexperte. Mir schwebte da tatsächlich sowas wie bei Amazon oder imdb vor (Bewertung + "x von y Lesern fanden diesen Artikel hilfreich" osä) Momentan kannman ja gar nicht werten, wie hilfreich man irgendwas in der WP findet. Weder allgemein Artikel noch Unterkategorien wie "Relevanz" oder "Quellenlage" oder "Objektivität" etc. IRGENDWAS muß imho aber in dieser Hinsicht geschehen. Das Argument, das wenn man alles aufnehmen würde, man nicht mehr alles verifizieren könnte, hat nicht zwangsläufig etwas mit Relevanz zu tun. Es wäre ein Argument dafür das Projekt Wikipedia in letzter Instanz als gescheitert zu betrachten. Dann bleibt euch nur die aktuellen Artikel erstmal aufzuarbeiten, bevor ihr überhaupt etwas neues anlegt - das halte ich für sinnfrei. Dieses Verifizierungs-Problem an die Inklusionisten zurückzuschieben funktioniert nicht, denn jedwede Exklusion macht die Wikipedia ein Stück unfreier und uninteressanter. Ich behaupte mal das Sie dem freiheitlichem Wikipedia Konzept, oder der Idee schadet, ihr entgegenläuft. Bei weiterhin fortgeführter Exklusion von möglichen Wikipedia-Inhalten treten keine Skaleneffekte mehr ein (was Wikipedia in den letzten Jahren erfolgreich und relevant gemacht hat), je mehr man in die Wikipedia schreiben kann und aufnimmt, desto mehr Menschen werden Wikipedia nutzen und ein kleiner Prozentsatz dieser Nutzer (nennen wir sie mal Teilnehmer) wird mitarbeiten und sich beteiligen. Setzt man die Relevanzkriterien nun hoch an, kommen keine neuen Teilnehmer und auch keine neuen Impulse mehr von aussen - im diesem Medium ist Stillstand allerdings Rückschritt weil sich unsere Welt um uns herum viel schneller verändert als man sie dokumentieren könnte. Nur weil etwas heute noch nicht relevant ist, ist es kein Relevanzkriterium für eine zukunftsorientierte Wikipedia. Eine zukunftsorientierte Wikipedia entwickelt ihre Konzepte, Methoden und Verfahren weiter, auf einen Staus Quo zu beharren und als Argument "unmöglich" anzuführen zeigt einfach auf, das die Strukturen sich verhärtet haben und man keine neue Impulse wahrnimmt, diskutiert und umsetzt und sich mehr und mehr mit administrativen Tätigkeiten auseinandersetzt. Sieht man auch sehr schön in den Diskussionen/Interviews bei Felix, das Wikipedia-Teilnehmer Gegenargumente bringen, und auf ihre Bandbreite ihrer Organisation hinweissen. Diese Bandbreite sieht man nicht wirklich von aussen, sprich fehlende Transparenz, das wurde auch schon mehrfach ausgeführt. Alle bisherigen Enzyklopedien sind gescheitert, weil sie nicht mehr zeitgemäss waren, und das ein enzyklopisches Projekt an und für sich scheitern muss, kann nur dadurch verhindert werden, als Experiment versteht und neue Impulse aufnimmt. Ein anderes Interface auf Wikipedia zu setzen, ist trivial die Technolgie dafür exisitiert seit rund 5 Jahren. Die interessante Frage ist, warum diese Technolgie nicht umgesetzt wird - die Antwort ist einfach, es ist nicht Aufgabe der Wikipedia, Aufgabe der Wikipedia ist es eine freie Enyklopedie zu erstellen - und das ist einfach ausser Kontrolle geraten. Das Wikipedia mittlerweile ein selbstrefentielles Projekt geworden ist, in dem wenige Menschen versuchen ihre Idee einer freien Enzyklopdie zu realisieren, sieht man anhand der RSS Feeds, die zeigen Änderungen an der Portal-Seite, und keine Informationen oder Neuigkeiten auf der Portalseite (oder diese gehen in den Edits unter). Sprich, Wikipedia ist für viele Teilnehmer Selbstzweck, anders kann ich mir die Verhaltensweisen die die Admins an den Tag legen nicht erklären. Inwiefern es sinnvoll ist, in einem Medium das dezentral, verteilt und unzuverlässig (weil paketvermittelt) ist, eine zentrale Enzyklopedie zu erstellen und zu betreiben, bleibt dem Leser dieses Kommentars überlassen. Ein Ansatz für eine Artikelhistorie ist das Wikidashboard. Beispiel: http://wikidashboard.parc.com/wiki/Sarah_Palin Danke, toller Link. Er zeigt aber lediglich eins: die vorgeschlagenen Änderungen von Koehntopp verbrauchen nicht nur massig Ressourcen, sie bringen nichts. Was ist mit diesem Schaubild am Anfang gewonnen? Wie viele Stunden muss ich Versionshistorien durchackern, um zu wissen ob User:Kelly korrekte Informationen einbringt? Die eingefärbten Artikel haben ein ähnliches Problem, da der Leser nicht schlechte Informationen und Zeitstrahlen nachschlagen will - er will schnell die gesuchten Fakten finden. BTW, Kris: Die Einschätzung was alles in der Wikipedia technisch leicht umzusetzen wäre, wäre glaubwürdiger, wenn Dein Blog nicht so miserabel konfiguriert wäre. Wenn Du Email-Adresse veröffentlichst, sollte das im Comment-Formular stehen. Und die Success-Meldung nach dem Kommentar sollte einen neuen Kommentar nicht unmöglich machen. @ kris: das ganze hört sich sehr vielversprechend (technisch) an, arbeitet da schon jmd. dran ? ich meine gibt's evtl. schon mockups, wireframes oder sonstiges (technische beschreibung der idee you name it) ... würde ich mir gerne mal angucken. Von der Quellenpflicht wirst du nicht weg kommen. Wie es heute im Chat so schön gesagt wurde: In einer normalen Enzyklopädie braucht man so etwas nicht, aber da hat man es auch nicht ständig mit Autoren zu tun, die "Kreise quadrieren und die Null abschaffen wollen". Ein wirklich nicht kleiner Teil der WP-Änderungen (Schätzungen gehen bis zu 20%) geschieht eindeutig aus der Absicht (!) heraus, falsche Informationen in WP einzubauen - legendär ist hierbei der Fall unsere inzwischen Verteidigungsministers und seiner Vornamen. Hiergegen hilft nun einmal nur eine (im Grunde noch wesentlich strengere) Quellenpflicht. Und hier reden dann auch die "Fraktionen" aneinander vorbei: Eine Abschaffung der Quellenpflicht bzw. des Verbotes eigener Forschungen kommt eben einem Aufruf, die eigenen Lügen einzubauen, gleich. Davon ab ich aber ein ganz anderes Problem der Relevanzkriterien: Es genügt eben keineswegs, wenn zu einem Thema brauchbare Quellen vorhanden sind - vielmehr ist diese Frage in den allermeisten Fällen nicht einmal eine Komponente der Relevanzkriterien. > In einer normalen Enzyklopädie ... hat man es nicht ständig mit Autoren zu tun, die "Kreise quadrieren > und die Null abschaffen wollen". Ein wirklich nicht kleiner Teil der WP-Änderungen (Schätzungen > gehen bis zu 20%) geschieht eindeutig aus der Absicht (!) heraus, falsche Informationen in WP > einzubauen ... Hiergegen hilft nun einmal nur eine (im Grunde noch wesentlich strengere) Quellenpflicht. Dieses Argument halte ich für - mit Verlaub - Blödsinn. Was du beschreibst, ist purer Vandalismus. Den bekämpft man nicht, indem man die Quellenpflicht verschärft. Anschaulich gesprochen: wenn dir jemand eine Delle in die Tür deines Autos tritt, dann ist die sinnvollste Reaktion sicher nicht, ihn nach Quellen zu fragen, die die bessere Aerodynamik oder Ästhetik der neuen Karosserieform belegen. Ich will jetzt keine Diskussion darüber starten, wie man Vandalismus am besten bekämpft. Aber wir sollten in der Diskussion zumindest zwischen Vandalismus und qualitativ schlechten (aber ernstgemeinten) Artikeln unterscheiden. > Dieses Argument halte ich für - mit > Verlaub - Blödsinn. Was du beschreibst, > ist purer Vandalismus. Den bekämpft man > nicht, indem man die Quellenpflicht > verschärft. Dazu musst du aber Vandalismus erstmal als solchen erkennen, und dabei helfen Quellen ungemein. Angenommen, in einem Artikel steht "20", richtig wäre aber "30". Wenn das nun einer kommentarlos korrigiert, ist das ein Edit, der von ferne auch nicht anders aussieht als der Edit, der dem Karl-Theodor den Wilhelm spendierte. Ergo lieber zuviele Quellen als zuwenige. Wenn mich was interessiert, lese ich die Quellen selbstverständlich auch. Dem entgegen steht dann natürlich das auch gerne zelebrierte "Wikipedia ist kein Linkverzeichnis", was zu der grandiosen Situation führt, dass im Artikel zu meinem Lieblingsspiel zwar die Server erwähnt sind, wo man es spielen kann, aber ohne URL. --Stefan WikiTrust wird viel dazu beitragen, Autorenschaft und Umstrittenheit einzelner Textstellen nachvollziehbar zu machen. WikiTrust wird (vermutlich) in absehbarer Zeit integriert, im Moment geht es nur per FireFox-Extension - installieren, auf die (deutsche oder italienische) Wikipedia gehen, und den "WikiTrust"-Tab anklicken. Unsichere Textstellen werden orange hinterlegt, ein Klick in den Text läd das Diff zum Edit, mit dem das eingefügt wurde. Ist noch nicht perfekt, aber schon sehr hilfreich... Nur kurz eine Anfrage zu deinem Gedanken, einen Zeitstrahl auf jeder Artikelseite zu generieren. Meinst du damit etwas änliches, wie es derzeit schon http://wikibu.ch anbietet. Oder muß es wirklich noch technischer und aufwendiger sein. Da dürften sich aber (leider) auch viele Nutzer, manche Seiten, verursacht durch zu langem Seitenaufbau, irgenwann nicht mehr antun. Und ob das dann im Sinne des Erfinders ist, bezweifle ich mal an dieser Stelle. Hilfreich wäre es auch, wenn es mehrere Seiten zu einem Thema geben würde. Die durch die Massenmedien verbreitete Darstellung könnte man dann mit dem Attribut "Propaganda" und die andere oft abschätzig als VT bezeichnete mit "Realität" kennzeichnen. In der "Realität" wären dann auch Blogs wie wahrheiten.org oder schallundrauch.info geeignete Quellangaben ;-)) Warum genau ist egtl. Fefe in dem FAZ-Artikel verlinkt - und dein Blog nur genannt? Es gibt die Alternative für Inklusionisten: http://www.PlusPedia.de/ Exklusionisten haben ja schon ihre Heimat bei der WikiPedia Kommentar schreiben
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